Scrum skalieren, aber wie? 4 Frameworks kurz vorgestellt

Scrum ist eines der beliebtesten Frameworks für agiles Projektmanagement. Doch während Scrum für einzelne Teams hervorragend funktioniert, wird es in großen Organisationen oft eine Herausforderung, die Prinzipien auf mehrere Teams zu skalieren. Hier kommen skalierte Scrum-Frameworks ins Spiel. In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf die vier bekanntesten Frameworks: Scrum@Scale, Nexus, LeSS und SAFe. Dabei stellen wir die Autoren vor, zeigen die jeweiligen Besonderheiten auf und geben Tipps, welches Framework zu welcher Situation passt.

Was bedeutet „Scrum skalieren“?
Das Grundkonzept von Scrum basiert auf einem kleinen, interdisziplinären Team, das eigenverantwortlich arbeitet. Wenn jedoch mehrere Teams an einem gemeinsamen Produkt arbeiten, müssen zusätzliche Strukturen und Mechanismen eingeführt werden, um die Zusammenarbeit und Synchronisation sicherzustellen. Skalierte Scrum-Frameworks helfen dabei, die Prinzipien und Werte von Scrum auch in großen Projekten oder ganzen Organisationen anzuwenden.

1. Scrum@Scale

Scrum@Scale wurde von Jeff Sutherland entwickelt, um die Flexibilität und Einfachheit von Scrum auf die gesamte Organisation auszuweiten. Das Framework ist modular aufgebaut, sodass Unternehmen nur die Komponenten übernehmen können, die sie wirklich benötigen.

Kernelemente:
Scale-Free Architektur: Scrum@Scale lässt sich ohne feste Grenzen skalieren, von wenigen Teams bis zur gesamten Organisation.
Zwei Kernelemente: Das Scrum of Scrums (SoS) sorgt für die Zusammenarbeit zwischen Teams, während der Executive Action Team (EAT) organisatorische Hürden beseitigt und die Skalierung ermöglicht.
Fokus auf Adaptivität: Statt strikten Vorgaben legt Scrum@Scale Wert auf kontinuierliche Verbesserung.
Für wen geeignet?
Scrum@Scale eignet sich besonders für Unternehmen, die ein hohes Maß an Flexibilität bewahren möchten und bereits fundierte Scrum-Erfahrung haben.

2. Nexus

Nexus wurde von Ken Schwaber und Scrum.org ins Leben gerufen und ist speziell für die Skalierung von Scrum auf drei bis neun Teams konzipiert, die an einem einzigen Produkt arbeiten.

Kernelemente:
Nexus Integration Team: Dieses Team koordiniert die Arbeit zwischen den Scrum-Teams und stellt sicher, dass ein integriertes Produkt entsteht.
Erweiterte Scrum-Events: Nexus baut auf den bestehenden Scrum-Events auf, erweitert sie jedoch um Mechanismen zur Synchronisation und Problemlösung auf Teamebene.
Transparenz: Ein zentraler Aspekt von Nexus ist es, Abhängigkeiten zwischen Teams sichtbar zu machen und zu minimieren.
Für wen geeignet?
Nexus ist ideal für Organisationen, die Scrum bereits erfolgreich nutzen und nun die Arbeit von mehreren Teams auf ein gemeinsames Ziel ausrichten wollen.

3. LeSS (Large-Scale Scrum)

LeSS ist ein leichtgewichtiges Framework für die Skalierung von Scrum auf mehrere Teams. Es setzt auf die Einfachheit und Grundprinzipien von Scrum und erweitert sie minimal.

Kernelemente:
Zwei Varianten: LeSS (für bis zu 8 Teams) und LeSS Huge (für größere Organisationen).
Single Product Backlog: Alle Teams arbeiten mit einem einzigen Product Backlog, das von einem Product Owner verwaltet wird.
Teamfokus: Teams sind für die gesamte Wertschöpfungskette verantwortlich, was eine starke Kundenorientierung sicherstellt.
Für wen geeignet?
LeSS ist für Unternehmen gedacht, die sich strikt an die agilen Prinzipien halten möchten und ein Minimum an zusätzlichen Regeln benötigen. Es setzt jedoch voraus, dass die Organisation bereit ist, größere strukturelle Änderungen vorzunehmen.

4. SAFe (Scaled Agile Framework)

SAFe ist eines der umfangreichsten Frameworks für die Skalierung agiler Methoden und kombiniert Scrum, Lean und Kanban. Es ist darauf ausgelegt, die gesamte Organisation einzubeziehen und klare Strukturen für große Unternehmen zu schaffen.


Vier Konfigurationen: Essential SAFe, Large Solution SAFe, Portfolio SAFe und Full SAFe – je nach Größe und Komplexität der Organisation.
Program Increment (PI) Planning: Ein zentrales Ereignis, bei dem alle Teams gemeinsam planen und synchronisieren.
Lean-Agile Leadership: Führungskräfte übernehmen eine aktive Rolle bei der Transformation.
Skalierbarkeit: SAFe eignet sich für mehrere Hundert oder sogar Tausende von Mitarbeitern.


Für wen geeignet?
SAFe richtet sich an große Organisationen, die einen strukturierten Ansatz für die Skalierung von Scrum und agilem Arbeiten benötigen. Es eignet sich besonders für stark regulierte Branchen wie Finanzen, Gesundheit und Luftfahrt.

Vergleich der Frameworks
Merkmal Scrum@Scale Nexus LeSS SAFe
Flexibilität Hoch Mittel Hoch Gering
Komplexität Niedrig Mittel Niedrig Hoch
Anzahl der Teams Beliebig 3–9 2–8 10+
Organisatorische Eingriffe Gering Mittel Hoch Hoch

Fazit: Welches Framework ist das richtige?
Die Wahl des richtigen skalierenden Scrum-Frameworks hängt von den individuellen Anforderungen der Organisation ab:

Scrum@Scale ist ideal, wenn Flexibilität und Modularität im Vordergrund stehen.
Nexus eignet sich, wenn eine moderate Anzahl von Teams synchronisiert werden muss.
LeSS ist perfekt für Organisationen, die minimalistische Ansätze bevorzugen und bereit sind, größere strukturelle Anpassungen vorzunehmen.
SAFe ist die beste Wahl für große Unternehmen, die einen umfassenden, strukturierten Ansatz benötigen.

Tipp:
Die Autoren der Frameworks haben ihre Erfahrungen und Überzeugungen direkt in ihre Modelle eingebracht. Unternehmen sollten daher zunächst die Werke von Jeff Sutherland (Scrum@Scale), Ken Schwaber (Nexus), Craig Larman & Bas Vodde (LeSS) und Dean Leffingwell (SAFe) studieren, um eine fundierte Entscheidung zu treffen.

 

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