In einer Welt, die von rasanter technologischer Entwicklung und zunehmender Globalisierung geprägt ist, stehen Unternehmen vor der Herausforderung, flexibel und anpassungsfähig zu bleiben. Traditionelle hierarchische Strukturen stoßen dabei oft an ihre Grenzen. Eine mögliche Antwort auf diese Herausforderung bietet das Organisationsmodell der Holacracy. Doch was verbirgt sich genau hinter diesem Begriff, und welche Vor- und Nachteile bringt diese innovative Form der Unternehmensführung mit sich?

Was ist Holacracy?

Holacracy, ein Kofferwort aus „Holarchy“ (eine Hierarchie aus Holons) und „Democracy“ (Demokratie), wurde von Brian Robertson entwickelt und erstmals 2007 in seinem Buch „Holacracy: The New Management System for a Rapidly Changing World“ beschrieben. Das Modell basiert auf dem Prinzip der Selbstorganisation und der Dezentralisierung von Autorität. Anstatt starrer Hierarchien und vordefinierter Jobbeschreibungen arbeiten Mitarbeiter in sogenannten „Kreisen“, die jeweils spezifische Rollen und Verantwortlichkeiten übernehmen.

Grundprinzipien der Holacracy

  1. Kreisstruktur: Organisationen sind in verschiedene Kreise unterteilt, die jeweils für bestimmte Aufgabenbereiche zuständig sind. Diese Kreise sind halbautonom und verfügen über die Entscheidungsbefugnis innerhalb ihres Aufgabenbereichs.
  2. Rollen statt Jobbeschreibungen: Anstelle traditioneller Jobtitel haben Mitarbeiter verschiedene Rollen, die klar definierte Verantwortlichkeiten und Erwartungen beinhalten. Eine Person kann mehrere Rollen in verschiedenen Kreisen innehaben.
  3. Integrative Entscheidungsfindung: Entscheidungen werden durch ein systematisches, gemeinschaftliches Verfahren getroffen, das auf Konsent basiert, anstatt auf Konsens. Das bedeutet, dass Vorschläge umgesetzt werden, solange kein triftiger Einwand vorliegt.
  4. Regelmäßige Meetings: Holacracy sieht regelmäßige Governance- und operative Meetings vor, um Rollen und Verantwortlichkeiten zu klären, sowie taktische Fragen und Spannungen zu lösen.

Vorteile der Holacracy

  1. Agilität und Flexibilität: Durch die dezentrale Entscheidungsfindung können Organisationen schneller auf Veränderungen reagieren und innovative Lösungen entwickeln.
  2. Mitarbeiterengagement: Da jeder Mitarbeiter mehr Autonomie und Verantwortung erhält, steigt oft auch die Motivation und Zufriedenheit.
  3. Klare Verantwortlichkeiten: Durch die klar definierten Rollen und Zuständigkeiten werden Aufgaben und Verantwortlichkeiten transparent und nachvollziehbar.
  4. Förderung von Innovation: Die integrative Entscheidungsfindung und regelmäßigen Meetings bieten eine Plattform für neue Ideen und kontinuierliche Verbesserung.

Herausforderungen der Holacracy

  1. Komplexität der Implementierung: Die Einführung von Holacracy erfordert eine grundlegende Veränderung der Unternehmenskultur und kann anfangs verwirrend und überwältigend sein.
  2. Widerstand gegen Veränderungen: Mitarbeiter und Führungskräfte, die an traditionelle Hierarchien gewöhnt sind, können Schwierigkeiten haben, sich an die neue Struktur anzupassen.
  3. Notwendigkeit intensiver Kommunikation: Da Holacracy auf regelmäßigen Meetings und intensiver Kommunikation basiert, kann dies zu einem hohen Zeitaufwand führen.
  4. Risikomanagement: Ohne klare Hierarchien kann es schwieriger sein, Verantwortlichkeiten für Fehler oder Missstände festzustellen.

Fazit

Holacracy ist ein mutiger und innovativer Ansatz, der das Potenzial hat, die Art und Weise, wie Unternehmen organisiert sind, grundlegend zu verändern. Es bietet eine spannende Alternative zu traditionellen hierarchischen Strukturen und kann insbesondere in dynamischen und kreativen Branchen von Vorteil sein. Dennoch ist die erfolgreiche Implementierung anspruchsvoll und erfordert eine offene, anpassungsfähige Unternehmenskultur. Unternehmen, die bereit sind, diesen Weg zu gehen, könnten jedoch mit einer höheren Agilität, mehr Mitarbeiterengagement und einer gesteigerten Innovationskraft belohnt werden.

Holacracy ist sicherlich nicht die ultimative Lösung für jede Organisation, doch es bietet einen faszinierenden Ansatz, um den Herausforderungen der modernen Arbeitswelt zu begegnen. Indem es traditionelle Grenzen der Unternehmensführung neu definiert, lädt es uns dazu ein, unsere Vorstellung von Arbeit und Zusammenarbeit zu überdenken.

Ihr wollt tiefer in das Thema Holacracy eintauchen? Dann schaut euch unser Interview mit Dennis Wittrock an.

Dennis Wittrock ist zertifizierter Holacracy® Master Coach und arbeitet derzeit hauptsächlich als Holacracy-Coach für Xpreneurs. Zudem hat er das Buch „Holacracy verstehen: Kritik – Wissenschaft – Praxis“ geschrieben, über das in diesem Interview gesprochen wird. Seine Motivation für dieses Buch waren u.a. verzerrende Geschichten über Holacracy, welche womöglich andere davon abhalten Holacracy eine faire Chance zu geben.

Hier ist der Link zum Interview:

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